Richard Flury

Neuerscheinung 2017

 

Chris Walton: Richard Flury

 

Chris Walton: Richard Flury. The life and music of a Swiss romantic. London : Toccata Press, 2017.

ISBN 978-0-907689-44-7

Der Musikwissenschafter Prof. Christopher Walton hat Leben und Werk von Richard Flury biographisch aufgearbeitet, indem er den ganzen Nachlass und weiteres Quellenmaterial sichtete sowie Personen befragte, die Richard Flury noch persönlich gekannt haben. Die in englischer Sprache verfasste Biographie erschien bei TOCCATA PRESS London; sie enthält eine CD mit repräsentativen Werkausschnitten. Eine kürzer gefasste deutschsprachige Biographie erscheint in der Reihe «Veröffentlichungen der Zentralbibliothek Solothurn» im Sommer 2017.

Bestellungen

 

Richard Flury wurde am 26. März 1896 in Biberist geboren, wo er schon in frühester Jugendzeit im Elternhaus musikalische Anregungen erhielt. Nach der Maturität am Gymnasium in Solothurn studierte er 7 Semester Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten von Bern, Basel und Genf. Zugleich war er Schüler an den Konservatorien der genannten Städte, wo er die Violinklassen von Fritz Hirt, Alphonse Brun und Paul Miche besuchte. Seine weiteren Lehrer waren Hans Huber (Komposition), Prof.Ernst Kurth (Kontrapunkt), Joseph Lauber (Instrumentation), Felix Weingartner (Dirigieren) und zum Abschluss seiner Kompositionsstudien Joseph Marx in Wien. Danach wirkte Flury als Violinlehrer an der städtischen Musikschule und an der Kantonsschule in Solothurn. Dreissig Jahre lang dirigierte er das Solothurner Stadtorchester und während einiger Jahre auch das Akademische Orchester Zürich, den gemischten Chor "Harmonie" in Bern und den Orchesterverein Gerlafingen. Sporadisch wurde Flury auch als Gastdirigent von Sinfoniekonzerten in Bern und Basel sowie in den Radiostudios von Zürich und Lugano verpflichtet, in denen er vornehmlich eigene Werke zur Aufführung brachte.

 

 

            Als Komponist war Flury der spätromantischen Tradition verpflichtet und wünschte sich neue Gedanken im Rahmen der Tonalität, wobei er immer danach strebte, sich von einem natürlichen musikalischen Empfinden leiten zu lassen. Für ihn war Musik als Sprache des Gefühls eine romantische Kunst und er war allem rein Konstruktiven abgewandt. Wenn seine Kompositionen oft eine starke kontrapunktische Verarbeitung der Themen aufweisen, so geschieht dies immer organisch aus einem inneren Fluss heraus. Fern jeglichen Epigonentums hat Flury zu seinem eigenen, ganz persönlichen Stil gefunden, was sich in der äusserst phantasievollen Harmonik und in der rhythmischen Entwicklung seiner Werke äussert. Besonders interessant erscheint die Harmonik in den durchsichtig und kontrastreich instrumentierten Orchesterwerken, die oft impressionistische Züge tragen und in denen er sich bisweilen nicht scheut, bis an die Grenzen der Tonalität vorzudringen. Dass der Komponist selbst Geiger war, spiegelt sich in der Behandlung der Streichinstrumente in seiner gesamten Instrumentalmusik, die er als sein Hauptgebiet betrachtete, obwohl er auch eine grosse Anzahl von Vokalwerken hinterliess. Seine vielen Klavierwerke wiederum verraten den gewandten Pianisten, der mit dem Klaviersatz wohl vertraut war.


            Dem lebenslänglich als Musikpädagoge in der Provinz tätigen Komponisten blieb ein ihm gebührendes grösseres Forum leider verschlossen. Die Bedeutung Richard Flurys wurde jedoch von vielen prominenten Musikern seiner Zeit erkannt, die sich schriftlich über ihn äusserten und seine Werke zur Aufführung brachten. Unter ihnen sind zu nennen W. Backhaus, P. Baumgartner, J. Bovet, P. Burkhard, P. Casals, L. Casella, E. Jaques-Dalcroze, G. Doret, W. Gieseking, R. Ginster, H. Huber, G. Kulenkampff, J. Lauber, F. Lehar, J. Marx, O. Nussio, H. Scherchen, O. Schoeck, M. Stader, R. Strauss, J. Szigeti und F. Weingartner. Zwei von Flurys Hauptwerken, die Fastnachts- und die Waldsymphonie, wurden seinerzeit auch in den europäischen Musikzentren Wien, Dresden, Frankfurt und Valencia sowie in Kobe (Japan) aufgeführt.


            Im Jahre 1950 veröffentlichte der Verlag Habegger seine "Lebenserinnerungen" und 1964 wurde Flury der Kunstpreis des Kantons Solothurn verliehen. Der Komponist starb am 23. Dezember 1967 in seinem Heimatort Biberist.

 

            Das 80 Seiten umfassende Verzeichnis der Werke, welches die Solothurner Zentralbibliothek als Besitzerin aller Manuskripte herausgegeben hat, weist Richard Flury als einen der produktivsten Schweizer Komponisten aus, der in seinem Schaffen auch alle Gattungen berücksichtigte. Anlässlich seines 100. Geburtstages hat es die Firma Gallo in verdienstvoller Weise unternommen, einen Querschnitt durch die Orchester- und Kammermusikwerke auf 5 CDs zugänglich zu machen.

 

 

 

Powered by Website Baker