Richard Flury

Biographien weiterer durch die Stiftung geförderter Komponisten.

 

Edmund Wyss (1867-1929) absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Solothurn eine kaufmännische Lehre in Aigle. 1887-1887 widmete er sich in Leipzig und Basel bei F. Hegar und H. Huber dem Musikstudium. Anschliessend fand er eine erste Anstellung als Organist und Chorleiter in Grenchen und wirkte von 1892-1922 als Professor für Musiktheorie, Gesang, Klavier und Orgel an der Kantonsschule Solothurn. Als „Musicus et Poeta“ - wie er auf seinem Grabstein gewürdigt wird - hinterliess E. Wyss sowohl ein kompositorisches wie auch ein dichterisches Werk. Davon zeugen u.a. seine früher öfter aufgeführten Bühnenwerke „Dursli und Babeli“ und „Lonny“ (nach J. Joachim), zu denen er auch die Musik schrieb. Den ersten durchschlagenden Erfolg erlebte Wyss zweifellos mit der Musik zum Dornacher Schlacht-Festspiel von 1899. In seinem musikalischen Werkverzeichnis finden sich weitere kleine Festspiele, Bühnenmusiken, hervorragende Chorlieder sowie 5 Sololieder mit Klavier (die einen Vergleich mit Schubert nicht zu scheuen brauchten) und als erste Talentprobe aus der Leipziger Studienzeit ein Klavierquartett. In bezug auf das Dornacher Festspiel seines ehemaligen Lehrers und Freundes schrieb Richard Flury :

        „Man darf wohl sagen, dass die Musik, in der sich lapidare Einfachheit, gesunde, sangbare, volkstümliche Melodik, kraftvolle Harmonik und persönliche Originalität miteinander vereinigen, das Meisterwerk des damals erst 32-jährigen Komponist geworden ist.“

 

 

Casimir Meister (1869-1941) wurde im solothurnischen Matzendorf geboren und besuchte das Gymnasium in Murten. Sein Musikstudium absolvierte er in Lausanne, München und Paris, wo er Schüler von E.R. Blanchet, Jos. Rheinberger, Th. Dubois, Ch. de Bériot und Ch. Widor war. 1892 übernahm Meister die Stelle eines Musikdirektors in Bulle und zwei Jahre darauf denselben Posten in Glarus. 1898 liess sich Meister in Solothurn nieder, wo er als Gesangslehrer der Städt. Musikschule wirkte und zuerst die Leitung des Cäcilienvereins und des Männerchors sowie ab 1922 die Leitung des Domchors übernahm. Als hervorragender Pianist trat er auch in Kammermusikabenden und in Orchesterkonzerten an die Oeffentlichkeit. Sein Kompositionsverzeichnis umfasst 4 Orchesterwerke, 3 Messen, geistliche und weltliche Chorlieder, Orgelwerke und kleinere Kammermusikwerke in den verschiedensten Besetzungen. Am bekanntesten sind heute noch Meisters 82 „Liedli ab em Land“ (auf Texte von Jos. Reinhart), worunter das Motiv von „Zyt isch do“ als langjähriges Zeitzeichen von Radio Beromünster geradezu Volksgut geworden ist. Richard Flury äusserte sich über seinen Freund und Kollegen:

        „Ich höre ihn noch heute, wie er, ein wahrer ‚Meister‘ seines Instruments, mit bewunderns-würdiger Ruhe am Flügel perlende Passagen spielte. Casimir Meister verbarg sich als Pianist zu bescheiden vor der Oeffentlichkeit und ich fragte mich oft, ob nicht seine anspruchslosen, volkstümlich gewordenen Lieder mehr echte Musik enthalten, als die symphonischen Konstruktionen mancher grossangepriesener Zeitgenossen.“

 

 

Dino Ghisalberti (1891-1949) begann das Musikstudium in seiner Vaterstadt Bergamo und beschloss es mit höchsten Auszeichnungen in Mailand. Anschliessend bereiste er als Pianist von Salonorchestern die ganze Schweiz und gastierte mit ihnen in den grösseren Städten und Kurorten. Diese Tätigkeit wurde gegen Ende des ersten Weltkrieges jäh unterbrochen, als er in den Militärdienst eingezogen und als italienischer Hauptmann in den Dolomiten verwundet wurde. In die Schweiz zurückgekehrt, lernte Ghisalberti in Solothurn seine zukünftige Frau kennen und liess sich 1922 dauernd in ihrer Heimatstadt nieder. Als vielseitiger Musiker unterrichtete er zuerst privat Klavier, Violine, Violoncello und Gesang, wirkte in den ersten Jahren als Cellist und Dirigent am Stadttheater und stellte sich der Kammermusikvereinigung als Cellist zur Verfügung (in der er bei Gelegenheit auch die Hornpartie übernahm). Im selben  Jahr 1934, in dem er das Schweizer Bürgerrecht erwarb, wurde ihm von der Städt. Musikschule der Cellounterricht übertragen, und 1937 wurde er als Klavier- und Cellolehrer auch an die Kantonsschule gewählt. An die Oeffentlichkeit ist Ghisalberti v.a. als Klavierbegleiter und Solist in Kammermusikabenden und Orchesterkonzerten in Solothurn und in den Schweiz. Radiostudios getreten. Viele Jahre war er bis zu seinem Tod als Cellist Mitglied des Solothurner Stadtorchesters und des Kammerorchesters. Sein Leben fand ein tragisches Ende, als er während eines Anfalls von Angina pectoris den Freitod wählte.

          Da Ghisalberti höchst selten eigene Werke zur Aufführung brachte und nur 4 Gondellieder für Klavier veröffentlichte, haben erst Nachforschungen im Jahre 1985 sein umfangreiches kompositorisches Schaffen zu Tage gefördert. Es umfasst 2 Opern (die erste 1914 als Wettbewerbswerk vom Konservatorium in Mailand prämiert), 2 Ouvertüren für Orchester, zahlreiche Kammermusikwerke für Klavier, Violine, Viola, Violoncello oder Waldhorn, 3 Sätze für Streichquartett und über 70 Sololieder mit Klavier. Dazu kommen unzählige Transskriptionen fremder Werke für Violoncello solo (u.a. nach Klavierwerken von Chopin und dem Wohltemperierten Klavier von Bach).

          In der Würdigung seines Freundes Dino Ghisalberti schrieb Richard Flury u.a.:

         „Wir fühlten alle, dass wir mit ihm einen lieben Menschen und den begabtesten Musiker in den Mauern Solothurns verloren hatten. Stets hielt er sich bescheiden im Hintergrund und leistete uns als Hilfsdirigent oder Cellist im Cäcilienverein, im Kammerorchester oder im Orchester Solothurn seine Dienste, wo er überall kraft seiner künstlerischen Ueberlegenheit als Leiter an die Spitze gehört hätte und wir seine Handlanger hätten sein sollen. Wenn ich mit ihm musizierte, erfüllte mich die Bewunderung vor seiner Meisterschaft als Pianist, vor seiner tiefgründigen Musikalität und Gestaltungskraft... Wenn er am Flügel die Solisten des Orchesters Solothurn begleitete, zeigte sich seine vortreffliche Einfühlungsgabe und Kongenialität mit Künstlern von Weltruf... Künstler vom Formate eines Josef Szigeti, Jacques Thibaud oder Georg Kulenkampff haben die Bedeutung Ghisalbertis als Musiker und Pianist anerkannt. Der einzige Vorwurf, den man ihm machen musste, war seine Bescheidenheit... Ich glaube, dass die Stadt nicht ahnte, welch grossen Musiker sie in Ghisalberti besass.“

 

 

Urs Joseph Flury (*1941) besuchte nach Absolvierung des Solothurner Gymnasiums Vorlesungen in Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Bern und Basel. Sein Violinstudium betrieb er an den Konservatorien Biel und Basel, wo er von W. Kägi und H. Schneeberger unterrichtet wurde. Eine erste Anstellung als Violinlehrer erhielt er 1967 an den Stadtschulen Solothurn, von 1967-1972 war er Violin- und Theorielehrer am Konservatorium Biel und 1968 wurde er als Violinlehrer an die Kantonsschule Solothurn gewählt. Seit 1970 leitet er das Orchestre du Foyer Moutier und seit 1971 auch das Solothurner Kammerorchester. 1966/67 wirkte U.J. Flury als Konzertmeister der Camerata Biel und war 1965-1968 Mitglied des Basler Kammerorchesters. Als Solist und Kammermusiker tritt er in Konzerten und am Radio an die Oeffentlichkeit. Seine Dirigiertätigkeit bringt ihn oft mit namhaften Solisten in Kontakt und für diverse Schallplatteneinspielungen eigener Werke und derjenigen seines Vaters standen ihm als Gast renommierte Orchester zur Verfügung.

          Sein Werkverzeichnis umfasst u.a.  Orchesterwerke, 3 Messen, ein Weihnachtsoratorium, 2 Violinkonzerte, ein Cellokonzert, diverse Kammermusikwerke in den verschiedensten Besetzungen sowie ein Anzahl von Sololiedern mit Klavier. Ausserdem hat U.J. Flury eine stattliche Anzahl von Werken anderer Komponisten für Orchester instrumentiert, u.a. Werke seines Vaters. Die grösste Beachtung unter seinen eigenen Kompositionen fand bisher das musikalische Märchen „Die kleine Meerjungfrau“, das in der Schweiz und im Ausland immer wieder zur Aufführung gelangt. 1993 wurde U.J. Flury ein Musikpreis des Kantons Solothurn zuerkannt.

          Als Komponist ist U.J. Flury der neuromantisch-impressionistischen Tradition seines Vaters treu geblieben und er betrachtet dessen Ratschlag in einem Abschiedsbrief vor dem Tod als Vermächtnis:

         „Lass Dich in Deinem Kompositionstalent nie durch andere entmutigen. Baue auf Dich selbst und Dein eigenes Empfinden, das gesund und gut ist.“

 

 

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